Zur kurzen Projektgeschichte

Projekt Cerro Ahuaca

Ziele:

Bewußtseinsschaffung für die Schutzwürdigkeit des Naturraumes Cerro Ahuaca samt seiner Trockenwälder

Stärkung der lokalen touristischen Infrastruktur durch nachhaltigen Klettertourismus (“Attraktionen schaffen”), um dadurch alternative Einkunftsmöglichkeiten zu schaffen und den ökonomischen Druck auf den Wald zu verringern

Allgemeine Verbesserung der Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung durch alternative Einkommensmöglichkeiten

Verbesserung des Freizeitangebotes in Cariamanga

Bewußtseinschaffung für die Schutzwürdigkeit des Naturraumes Cerro Ahuaca samt seiner Trockenwälder

Die Zielsetzung des Projektes ist eine sozio-ökologische. Das Konzept basiert auf der Grundannahme, daß der Mensch nur etwas schützt, was für ihn einen Wert besitzt. Dies ist besonders in der “Dritten Welt” richtig, wo sich zum gefühlsgesteuerten Aspekt noch die Notwendigkeit des nackten Überlebens gesellt. So waren die Inwertnahmen der natürlichen Ressourcen um den Cerro Ahuaca herum in der Vergangenheit vor allem zerstörerischer Natur. Die natürliche Vegetation ist die eines Halbtrockenwaldes der, einmal zugunsten von Feld- oder Weidewirtschaft gefällt, sich nicht wieder vollständig regenerieren kann. Endpunkt dieser Entwicklung ist eine Degradation des Bodens und eine ständig zurückgehende Verfügbarkeit von Wasser. Die Folgen dieses Mißmanagements kann man in ganz Südecuador betrachten. Diese Zusammenhänge sind den Einheimischen meist nur rudimentär bzw. gar nicht bekannt. So ist auch die natürliche Vegetation rund um den Cerro Ahuaca massiv bedroht, obwohl die noch bewaldeten Hänge das Trinwasserreservat des Ortes Cariamanga bilden, der bereits an Wasserknappheit leidet. Eine nachhaltige Inwertnahme des Cerro Ahuaca samt seiner ihn umgebenden Wälder scheint daher dringend notwendig. Bei der Bevölkerung selbst war eine Bewußtseinsschaffung für die Besonderheit des Cerro Ahuaca bereits bei der klettersportlichen Erschließung des Gebietes gegeben, an der großer Anteil genommen wurde und die über mehrere Wochen hinaus das Stadtgespräch war. Eine insgesamt sehr gute Berichterstattung vor Ort (mehrere ganzseitige Artikel und z.T halbstündige Fernsehberichte in den ecuadorianischen Medien) machten den Cerro Ahuaca weit über die Grenzen von Cariamanga hinaus bekannt. Die Einrichtung eines Naturreservates, die von dem Projekt von Anfang an angestrebt wurde, kam durch die Öffentlichkeitsarbeit auch bei den verantwortlichen Stellen in die Diskussion und wird jetzt von der Mehrheit der Bewohner Cariamangas unterstützt -nach oben-.

Falschfarben- Satbild (Landsat) von Cariamnga (2), Cerro Ahuaca (1) und einer denkbaren Reservatsgrenze. Achtung: Rot ist mit Vegetation, grün ohne!

Stärkung der lokalen touristischen Infrastruktur durch nachhaltigen Klettertourismus (“Attraktionen schaffen”), um dadurch alternative Einkunftsmöglichkeiten zu schaffen und den ökonomischen Druck auf den Wald zu verringern

Neben bescheidener Landwirtschaft lebt Cariamanga vom Schmuggel mit dem nahen Peru, von dem aber naturgemäß nur Wenige profitieren. Eine der Möglichkeiten, dieser Situation zu entkommen, bietet sicherlich der Tourismus. Dies hat sich heute in fast ganz Ecuador herumgesprochen und auch vielfach zu überhöhten Erwartungen geführt, da die relative Nähe zu den ausgetrampelten Tourismuspfaden meist außer aucht gelassen wird. So kann man auch in zum Teil großen Entfernungen der Touristenzentren Bürgermeister oder Vertreter lokaler NGOs finden, die sich erhoffen, der Reisende würde gerne eine fünf Stunden dauernde Busfahrt auf sich nehmen, um im Dorftümpel zu angeln (um es etwas überspitzt auszudrücken). Auch Cariamanga hat einen Wanderweg auf den Hauptgipfel des Cerro Ahuaca angelegt, um Touristen anzulocken (Der Werbespruch lautet: Cerro Ahuca: La roca mas grande del mundo.). Die nächsten “Haltepunkte” des internationalen Rucksacktourismus sind dabei aber mit Cuenca oder Vilcabamba sieben bzw. fünf Stunden entfernt. Eine Öffentlichkeitsarbeit auf internationalem Niveau fehlt völlig. Wie das ausgeht, kann man sich leicht denken. Hier kommt der Kletterer ins Spiel: Er ist der ideale Gast für ökologische Tourismusprojekte: Ständig auf der Suche nach guten Klettermöglichkeiten scheut er nicht den Umweg zu ebendiesen. Anders als der herkömmliche Tourist begnügt er sich auch nicht mit einem flüchtigen Blick auf die Sehenswürdigkeiten im Vorbeifahren, sondern bleibt meist mehrere Tage vor Ort. Darüber hinaus ist der Kletterer an sich (neben wenigen Ausnahmen, die dem Cerro Ahuaca hoffentlich erspart bleiben) auch ein Umweltschützer, hat er doch die emotionale Inwertnahme der Natur für sich auf die Spitze getrieben und die Notwendigkeit einer intakten Ökologie längst erkannt. Endpunkt dieser Bemühungen um den Klettertouristen soll ein kleiner, aber feiner Ökotourismus sein, der in seiner spezialisierten Form nur schlecht durch die internationalen Tourismuskonsortien kanalisiert werden kann und dessen Erträge somit zur Gänze direkt vor Ort verbleiben und somit helfen können, den ökonomischen Druck auf die Naturräume rund um Cariamanga zu vermindern. -nach oben-

Allgemeine Verbesserung der Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung durch alternative Einkommensmöglichkeiten

Aus Europa wissen wir, dass einzelne Gegenden hervorragend vom Klettertourismus leben können. In wie weit sich das auch in Ecuador (bei einem zugegebenermaßen nicht europäischem Routenangebot) realisieren läßt, bleibt abzuwarten. Das “Produkt” Cerro Ahuaca richtet sich dabei an selbsttätig reisende Kletterer (also die überwiegende Mehrheit der Kletterer), die entweder eine Ecuadorreise mit einem Kletteraufenthalt aufwerten möchten sowie an diejenigen, die zwischen den größeren Klettergebieten Suesca (Kolumbien) und Huascaran (Peru) zwangsläufig an Cariamanga vorbeireisen und somit einen Zwischenstopp einplanen können. Auch eignet sich Cariamanga als lohnende Ergänzung zum in Ecuador populären Höhenbergsteigen. Vorschläge und Links zu anderen Klettergebieten in Südamerika und Ecuador finden sich ebenfalls auf dieser Internetseite unter “Andere Gebiete”. Durch den Aspekt des selbständigen Reisens würde, wie bereits unter 2) aufgeführt, der Ertrag dieser Tourismusform direkt vor Ort verbleiben. Eine weite Streuung scheint unter den gegebenen Bedingungen gewährleistet, da weder Unterkunft noch Verpflegung oder Transport in irgendeiner Form monopolisiert sind und komplett in lokalen Händen liegen. Seitens des Projektes werden darüber hinaus Bemühungen unternommen, kompetente Bergführer auszubilden, um auch einzeln Reisenden oder weniger sicheren Gästen einen Kletteraufenthalt ermöglichen zu können. Ausrüstung ist schon jetzt beim Kletterclub gegen eine Abnutzungsgebühr zu leihen. Man kann also in Cariamanga klettern, ohne die schwere Ausrüstung durch das Land zu schleppen.-nach oben-

Verbesserung des Freizeitangebotes in Cariamanga

Klettern bietet großartige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, auch der pädagogisch wertvollen. Dies ist in Europa hinlänglich bekannt und wurde auch von den Bewohnern Cariamangas, besonders des Mathematik- und Informatiklehrers Rodrigo Hidalgo Bravo, der sich rührend um diesen Aspekt des Projektes kümmert, schnell erkannt. Gemeinsam mit Freunden und Kollegen gründete er noch während der Erschliessungsarbeiten am Cerro Ahuca einen Kletterclub und organisierte mehrere “Tage der offenen Route”. Mit diesem Angebot lockte er zahlreiche Jugendliche an den Fels und vermittelte den Reiz des für die Ecuadorianer neuen Sports. Nur wenige Tagen nach Vollendung der Routen wurde Klettern als Schulsport an zwei Schulen etabliert. Ein Programm “Klettern für sozial benachteiligte Jugendliche” wird gerade vorbereitet. -nach oben-

Das Team

rechts: Bärbel

unten: Ute

oben: Heinz

links: Jens

Kurze Geschichte des Projektes

Ende 2001 wurde der Cerro Ahuaca von Jens Boy “entdeckt”, der sich als Biologe auf einer nahe Loja gelegenen Forschungsstation tätig, in seiner Freizeit nach Klettermöglichkeiten umsah. Sofort vom Potenzial des Cerro Ahuca begeistert, bemühte sich Jens um die Erschließung einer ersten Route. Nachdem die Bedingungen mit Stadtverwaltung und Militär geklärt waren, fand er einen Mitstreiter in Jaime Duran aus Quito, der dort als freier Bergführer arbeitet und noch ein paar Bohrhaken übrig hatte. Anfang 2002 wurde dann in einer zwei Tage dauernden Hauruckaktion die 4 SL-Route “Gracias Atahualpa - ya encontramos el tesoro” (etwa VII) clean mit Unterstützung zwei Niederländer erstbegangen. Da das Gestein sehr sicherungsunfreundlich ist und die Route entpsrechend lebensgefährlich ausfiel, verzichten wir hier auf eine genauere Beschreibung. Unlohnend war sie obendrein. Am nächsten Tag entstanden allerdings die ersten Seillängen der “Mull-ti Diversion”. Die Bemühungen, in Deutschland einen Partner für die weitere Erschließung zu finden, führten dann bei Heinz Pfeffer vom Deutschen Alpenverein Sektion Gießen zum gewünschten Erfolg. Der DAV bezahlte nach Einreichung einer Projektskizze dankenswerterweise das Hakenmaterial und Heinz Pfeffer machte sich mir Bärbel Wullenweber (beide übrigens auf eigene Kosten) Anfang 2003 auf nach Ecuador, um zusammen mit Ute Zimmermann und Jens Boy die weitere Erschließung voranzutreiben. Nach fünf Wochen am Cerro Ahuca und viel harter Arbeit war der momentane Routenbestand erreicht. Mit Unterstützung von Michael Kenner vom Laden “outdoors” in Bayreuth, der dem Projekt Material zum Einkaufspreis überließ, und beträchtlicher finanzieller Eigenleistung der Beteiligten sowie einzelner gespendeter Kletterschuhe gelang es schließlich auch, den Kletterclub in Cariamanga mit einwandfreier Bergsportausrüstung sowie Kletterschuhen und -Gurten aller Größen auszustatten. -nach oben-